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schlafapnoe

Immer mehr Studien zeigen, dass es bei Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe (OSA) schon mit Beginn der Prämedikation, aber auch während oder nach einer Operation zu teilweise gefährlichen Komplikationen kommen kann. Diese Risiken steigen auf ein nicht vertretbares Maß, wenn die CPAP-Therapie perioperativ unterbrochen wird. Leider sind Kliniken bisher noch zu wenig auf Schlafapnoe-Patienten eingestellt, wissen nicht genug über dieses Krankheitsbild und haben deshalb oft ein zu geringes Risikobewusstsein.

von Kai Mann

Erkentnisse aus der Wissenschaft

Schlafapnoe erhöht Risiko für Komplikationen bei operativen EingriffenIn den letzten Jahren sind einige wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem wichtigen Thema erschienen. Aus diesen Studien geht hervor, dass es bei Schlafapnoe-Patienten während eines operativen Eingriffs häufiger zu Aspirationen (Einatmen von Mageninhalt), akutem Lungenversagen oder Lungenembolien kommt. Auch nach der Operation sind Probleme wesentlich häufiger. Studien zeigen, dass

  • bei älteren Schlafapnoe-Patienten nach einem operativen Eingriff öfter ein Delirium auftritt
  • unerwünschte Herz-Kreislauf-Ereignisse wie beispielsweise Herzrhythmusstörungen oder Blutdruckkrisen bei OSA-Patienten nach einer Operation häufiger vorkommen
  • häufigere auch ungeplante Aufenthalte auf der Intensivstation und/oder eine längere Behandlungsdauer im Krankenhaus notwendig sind.

Was kann man dagegen tun?

Deshalb werden in der neueren Fachliteratur Empfehlungen zum Umgang mit solchen Patienten gegeben, die die Krankenhäuser unbedingt beherzigen sollten. Das fängt schon vor dem operativen Eingriff an:

  • Patienten sollten gefragt werden, ob bei ihnen eine obstruktive Schlafapnoe vorliegt
  • Bei Patienten mit hohem OSA-Risiko soll mithilfe von Screening-Fragebögen abgeklärt werden, ob sie möglicherweise an einer Schlafapnoe leiden
  • Falls das Ergebnis des Fragebogens den Schlafapnoe-Verdacht erhärtet, sollte bei diesen Patienten vor planbaren Operationen zur Abklärung eine Polygrafie durchgeführt werden.

Bei OSA-Patienten ist eine möglichst kurze Operationsdauer anzustreben und nach Möglichkeit lieber eine Regionalanästhesie als eine Vollnarkose durchzuführen. Die Extubtion (Entfernung des Beatmungstubus) sollte in halb aufrechter Position und erst dann erfolgen, wenn der Patient wach ist.

Nach der Operation sollen solche Patienten als Schmerztherapie statt Opioiden und Sedativa (Beruhigungsmitteln) lieber nicht-steroidale Antiphlogistika wie beispielsweise Ibuprofen erhalten. Außerdem ist bei Schlafapnoikern eine längere pulsoximetrische Überwachung zur Kontrolle ihrer arteriellen Sauerstoffsättigung notwendig; und nach der Extubation muss die schon zu Hause durchgeführte CPAP-Therapie gleich wieder fortgesetzt werden.

Leider halten viele Krankenhäuser sich nicht an diese Vorgaben, unter anderem deshalb, weil Ärzte und Pflegepersonal noch zu wenig über obstruktive Schlafapnoe und die damit verbundenen Risiken wissen. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit in den Kliniken erforderlich. Mehr über die Schlafapnoe erfahren Sie in unserem Ratgeber: Schnarchen-Ursachen

Quelle: Dr. Stefanie Werther und Prof. Dr. med. Helmut Teschler: Schlafmedizin – neue Erkenntnisse und Entwicklungen. Deutsche Medizinische Wochenschrift 2014; 139: S.1231–1233

Quelle: das schlafmagazin 3/2014

Auf der DGSM-Jahrestagung 2013 wurden erschreckende neue Daten zu Zusammenhängen zwischen schlafbezogenen Atemstörungen, Nieren- und Gefäßerkrankungen vorgestellt. Inzwischen weiß man: Obstruktive Schlafapnoe (OSA) erhöht das Risiko für eine Niereninsuffizienz; Aneurysmen (krankhafte Aussackungen von Schlagadern) kommen bei OSA-Patienten gehäuft vor, und die Gerinnungsneigung ihres Blutes ist erhöht.

von Anne Greveling

Schlafapnoe als Risiko für die Gesundheit

Viele Untersuchungen zeigen, dass schlafbezogene Atemstörungen bei Patienten mit fortgeschrittener Nierenschwäche besonders häufig sind. Dies gilt sowohl für die obstruktive als auch für die zentrale Schlafapnoe. Schon bei leichter Niereninsuffizienz ist das Risiko für eine Schlafapnoe etwas erhöht – und zwar unabhängig von anderen Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck.

Da fragt man sich natürlich: Was war zuerst da – die Henne oder das Ei? Und wie meistens lässt sich diese Frage nicht genau beantworten. Denn es besteht ein komplexes Geflecht aus Wechselbeziehungen zwischen Niereninsuffizienz und Schlafapnoe; das heißt, das eine Krankheitsbild bedingt das andere, und wenn beide gleichzeitig vorliegen, können sie sich gegenseitig hochschaukeln. Und das ist gefährlich; denn sowohl Nierenschwäche als auch schlafbezogene Atemstörungen erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer an beiden Krankheitsbildern leidet, ist also besonders gefährdet. Da wir alle immer älter werden, ist das ein wichtiges Thema, vor dem wir nicht die Augen verschließen können: Die Häufigkeit dialysepflichtiger Niereninsuffizienz-Patienten wird sich in Deutschland in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich verdoppeln! Dialyse-Patienten haben ein besonders hohes Sterblichkeitsrisiko; sie sterben in der Regel aber nicht an ihrer Niereninsuffizienz, sondern an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Warum hängen Schlafapnoe und Nierenschwäche miteinander zusammen?

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Zum Beispiel führt eine fortgeschrittene Niereninsuffizienz zu Wassereinlagerungen im Gewebe – natürlich auch im Hals-Rachen-Bereich, und dadurch steigt das Risiko für eine Schlafapnoe, denn die Wassereinlagerungen drücken auf die oberen Atemwege und erhöhen so die Kollapsneigung.

Aber auch umgekehrt wird ein Schuh draus: Bluthochdruck ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung einer Niereninsuffizienz; und durch eine obstruktive Schlafapnoe erhöht sich – sofern sie nicht erkannt und behandelt wird – sehr häufig der Blutdruck. So können unbehandelte schlafbezogene Atemstörungen auf dem Umweg über einen zu hohen Blutdruck im Lauf der Zeit durchaus die Nieren schädigen. Auch krankhafte Gefäßveränderungen, die durch das Vorliegen einer OSA gefördert werden, wirken sich ungünstig auf die Nierenfunktion aus.

Bei Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen an OSA denken!

Deshalb ist davon auszugehen, dass Schlafapnoe und chronische Niereninsuffizienz sich gegenseitig begünstigen und verschlimmern – auch wenn zu diesem Thema bislang noch gar nicht so viele wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt wurden. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass eine gleichzeitig bestehende OSA sich bessert, wenn man die Niereninsuffizienz behandelt. Besonders günstig wirkt sich eine nächtliche Wasser-Elimination aus, etwa durch die Bauchfelldialyse, die nachts während des Schlafs durchgeführt wird: Sie führt zu einer deutlichen Besserung, manchmal sogar zu einem Verschwinden der schlafbezogenen Atemstörung. Dahinter steckt eine ganz einfache Gleichung: Weniger Wassereinlagerungen im Hals-Rachen-Bereich – weniger nächtliche Atemstillstände. Umgekehrt gibt es aber auch Hinweise auf eine Besserung der Nierenfunktion durch Behandlung der Schlafapnoe.

Sollte man OSA-Patienten also auf eine Einschränkung der Nierenfunktion screenen, und umgekehrt? „Bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Niereninsuffizienz sollte man zumindest an die Möglichkeit einer schlafbezogenen Atemstörung denken“, empfiehlt Dr. Nikolaus Büchner, der als Pneumologe am Marienhospital Herne tätig ist. „Die muss man ja nicht unbedingt gleich alle ins Schlaflabor schicken; aber man sollte sie doch schon mal fragen, ob sie schnarchen, nächtliche Atempausen haben und tagsüber immer müde sind. Denn von den Faktoren, die zum Fortschreiten einer Niereninsuffizienz beitragen, lässt sich die Schlafapnoe wohl am leichtesten in den Griff bekommen.“

Schlafapnoe begünstigt die Entstehung von Aneurysmen

Wer unter einem Aorten-Aneurysma leidet, lebt gefährlich: Diese sackartigen Erweiterungen eines Blutgefäßes bereiten oft ein Leben lang keine Beschwerden; doch wenn sie platzen, kann es zu lebensbedrohlichen Blutungen kommen. Am häufigsten treten Aneurysmen im unteren Bereich der Hauptschlagader (Bauchaorta) auf. Seltener kommen sie im Brustraum oder an den Hirngefäßen vor. Dahinter stecken meist angeborene oder erworbene Veränderungen in der Arterienwand. Bestimmte Faktoren – vor allem Bluthochdruck, Rauchen und Arteriosklerose – erhöhen das Risiko.

Bei Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe kommen Aorten-Aneurysmen besonders häufig vor und wachsen auch schneller. In einer Studie wurden 123 Patienten mit Bauchaortenaneurysma polysomnografiert: Bei mehr als 70 % lag der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) über 5; rund 15 % litten unter schwerer Schlafapnoe mit einem AHI über 30. Das Wachstum des Aneurysmas hängt offenbar vom Schweregrad der schlafbezogenen Atemstörung ab: Bei Patienten mit schwerem obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom vergrößern sich die Aussackungen schneller, und damit steigt auch das Risiko, dass so ein Gefäß einmal platzt.

Oft werden Aorten-Aneurysmen ganz zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung entdeckt; es gibt aber auch Screening-Untersuchungen, mit denen man Bauch- oder Hirn-Aneurysmen feststellen kann. Sinnvoll ist so etwas zum Beispiel bei erblich vorbelasteten Patienten; denn die Aussackungen der Arterienwände treten, wie man inzwischen weiß, familiär gehäuft auf, haben also teilweise auch genetische Ursachen.

Ein Hauptgrund für das gehäufte Vorkommen von Aneurysmen bei Schlafapnoe ist wahrscheinlich – ähnlich wie bei der Niereninsuffizienz – der zu hohe Blutdruck. Vor allem nachts kann es durch die Atemstillstände nämlich zu extremen Blutdruckspitzen von über 200, manchmal sogar 300 mmHg kommen. Das ist extremer mechanischer Stress für die Gefäßwände. Ob eine CPAP-Therapie das Aneurysma-Risiko senkt, weiß man noch nicht genau; dazu müssen erst noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden.

Als ob das alles noch nicht genug wäre, ist bei Schlafapnoe-Patienten zu allem Überfluss auch noch die Gerinnungsneigung des Blutes erhöht, was sich durch bestimmte biochemische Marker im Blut feststellen lässt. „Bereits ein leichtes obstruktives Schlafapnoe-Syndrom korreliert mit prothrombotischen Markern“, warnte Professor Roland von Känel (Klinik Barmelweid) in seinem Vortrag. Je mehr Sauerstoffentsättigungen ein Patient pro Nacht hat, umso stärker ist die Gerinnungsneigung, und umso höher steigt damit auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Und so verwundert es denn auch nicht, dass die Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden, bei OSA-Patienten zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens besonders hoch ist.

Es gibt zwar bereits Untersuchungen zu der Frage, ob eine CPAP-Therapie die Gerinnungsneigung des Blutes senken kann; die meisten Studien ergaben jedoch keinen positiven Effekt. Warum, weiß man noch nicht genau: „Wahrscheinlich muss ein Patient schon eine schwere Schlafapnoe haben, und es bedarf einer längeren CPAP-Therapie, um Veränderungen feststellen zu können“, meint Professor von Känel.

Quelle: das schlafmagazin 3/2014

Schlafbezogene Atemstörungen (Schlafapnoe) und Diabetes treten überzufällig häufig zusammen auf. Inzwischen weiß man, dass eine obstruktive Schlafapnoe die Entstehung eines Diabetes begünstigen kann. Umgekehrt scheint ein Diabetes aber auch das Schlafapnoe-Risiko zu erhöhen. Und wenn beide Erkrankungen zusammen auftreten, wird es richtig gefährlich fürs Herz.
von Anne Greveling

Die Häufigkeit schlafbezogener Atmungsstörungen bei Diabetikern wird auf fast 60 % geschätzt. Dass diese beiden Erkrankungen so oft zusammen auftreten, hat mehrere Gründe. Erstens ist Übergewicht ein wichtiger Risikofaktor sowohl für eine obstruktive Schlafapnoe als auch für einen Typ-2 Diabetes. Inzwischen weiß man aber, dass Schlafapnoe auch unabhängig vom Körpergewicht die Entstehung eines Typ-2 Diabetes begünstigt. Das ist nicht schwer nachzuvollziehen, wenn man weiß, dass die nächtlichen Atemaussetzer und Weckreaktionen Körper und Gehirn enorm unter Stress setzen, und sich vergegenwärtigt, was Stress im menschlichen Organismus anrichtet: Auf Stresssituationen reagieren wir mit einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen (Adrenalin, Noradrenalin, Kortisol). Diese Hormone haben die Aufgabe, uns in akuten Gefahrensituationen für die Flucht oder Verteidigung bereit zu machen: Sie lassen den Blutdruck in die Höhe schießen, setzen Zuckerreserven aus der Leber frei und hemmen gleichzeitig die Wirkung des körpereigenen Insulins. Denn in Gefahrensituationen braucht der Körper natürlich besonders viel Zucker (= Energie). Diese Stressreaktion, die bei einer akuten Bedrohung durchaus sinnvoll und überlebensnotwendig ist, kann uns bei Dauerstress zum Verhängnis werden denn dann ist der Blutzuckerspiegel permanent erhöht. Daraus wird leicht verständlich, warum Schlafapnoiker mit ihrem allnächtlichen Stress ein erhöhtes Risiko haben, an Diabetes zu erkranken. Dies ist sogar schon bei einer leichten obstruktiven Schlafapnoe der Fall. Studien haben gezeigt, dass sogar gewohnheitsmäßiges Schnarchen das Risiko, einen Typ-2 Diabetes zu entwickeln, über einen Zeitraum von zehn Jahren mehr als verdoppelt, und zwar unabhängig davon, ob der Schnarcher übergewichtig ist oder nicht. Wie man inzwischen weiß, spielen für die Entstehung eines Diabetes bei Schlafapnoe vor allem Grad und Häufigkeit der nächtlichen Sauerstoffentsättigungen und die Häufigkeit der Arousals (Weckreaktionen) eine wichtige Rolle. Außerdem macht schon Schlafmangel Menschen nachweislich anfälliger für einen Typ-2-Diabetes. Somit kann auch der unerholsame Schlaf bei einer nicht behandelten obstruktiven Schlafapnoe durchaus zu einer Erhöhung des Diabetesrisikos beitragen.

Diabetes und Schlafapnoe

Wie Typ-2-Diabetes entsteht

Die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes geht langsam vonstatten, und wenn man frühzeitig gegensteuert, lässt sich diese Erkrankung häufig noch abwenden. Zunächst einmal ist bei den Patienten die Glukosetoleranz eingeschränkt. Unter Glukosetoleranz versteht man die Fähigkeit, auf die Zufuhr einer bestimmten Menge an Traubenzucker (Glukose) nicht mit einem übermäßigen Blutzuckeranstieg zu reagieren. Dies lässt sich mithilfe eines Glukosetoleranztests leicht feststellen. Dabei wird überprüft, ob die Zufuhr einer genau festgelegten Menge Traubenzucker zu einem übermäßigen Blutzuckeranstieg führt. Eine Glukosetoleranzstörung liegt vor, wenn der Blutzucker zwei Stunden nach Beginn des Tests noch über 140 mg/dl liegt. Zu einer solchen Störung kommt es, wenn die Zellen des Körpers nicht mehr so gut auf das Hormon Insulin ansprechen, das die Aufgabe hat, den mit der Nahrung aufgenommenen Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Diese sogenannte Insulinresistenz ist die Hauptursache des Typ-2-Diabetes. Sie führt dazu, dass die Betazellen der Bauchspeicheldrüse mit der Zeit immer mehr Insulin ausschütten müssen, bis sie irgendwann „schlapp machen“, weil sie mit der Insulinproduktion nicht mehr nachkommen. Nicht aus jeder Glukosetoleranzstörung entwickelt sich zwangsläufig ein Diabetes mellitus. Man geht aber davon aus, dass bei gestörter Glukosetoleranz das Diabetesrisiko zehnmal höher ist als bei normaler Glukosetoleranz. Als nächster Schritt entsteht ein Prädiabetes die Vorstufe des Typ-2-Diabetes mit bereits leicht erhöhten Blutzuckerwerten. Schon dieser Prädiabetes stellt ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar, denn durch die erhöhten Blutzuckerspiegel (vor allem nach dem Essen) werden die Gefäße geschädigt, und das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, steigt. Durch Gewichts- abnahme und mehr Bewegung kann man das Risiko, dass aus einem Prädiabetes ein Diabetes wird, deutlich senken. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass eine unbehandelte obstruktive Schlafapnoe selbst bei gesunden Personen die Insulinresistenz erhöht. Und je stärker diese Schlafapnoe ausgeprägt ist das heißt, je höher der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) ist, umso höher steigt auch das Risiko, irgendwann an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Diabetes erhöht Schlafapnoe-Risiko

Neuere Untersuchungen zeigen, dass der Weg von der Schlafapnoe zum Typ-2-Diabetes keine Einbahnstraße ist. Offenbar beeinflussen diese beiden Erkrankungen sich wechselseitig: Schlafapnoe erhöht das Diabetesrisiko, während ein Diabetes wiederum die Entstehung schlafbezogener Atemstörungen zu begünstigen scheint. Eine Untersuchung von Prof. Joachim Ficker aus dem Jahr 1998 hat gezeigt, dass Diabetes-Patienten, die an einer autonomen Polyneuropathie leiden, häufiger schlafbezogene Atemstörungen entwickeln. „Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass neurologische Mechanismen bei Diabetikern zur Entstehung einer obstruktiven Schafapnoe beitragen könnten“, meint Professor Ficker. „Autonome Polyneuropathie“ ist ein Oberbegriff für Nervenschäden, unter denen etwa 50 % aller Diabetiker nach etwa 20-jähriger Krankheit leiden und die verschiedene Organsysteme betreffen können. Bei dieser autonomen Polyneuropathie wird das autonome (also nicht unserem eigenen Willen gehorchende) vegetative Nervensystem in Mitleidenschaft gen. Mit einer möglichst guten Blutzuckereinstellung kann man der Entstehung einer autonomen Polyneuropathie vorbeugen.

Verhängnisvolle Wechselwirkungenzogen

Man vermutet, dass sie unter anderem auch die nervale Atmungskontrolle während des Schlafs beeinträchtigt, was zu nächtlichen Obstruktionen der Atemwege führen kan Da sowohl obstruktive Schlafapnoe als auch Typ-2-Diabetes das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, handelt es sich hierbei um eine gefährliche Kombination. Wenn jemand an beiden Krankheiten gleichzeitig leidet, verdoppelt sich sein Herz-Kreislauf-Risiko nicht einfach nur, sondern es potenziert sich. Und nicht nur das: Die Wechselwirkungen zwischen Schlafapnoe und Diabetes führen außerdem zu einer gegenseitigen Verschlechterung beider Krankheitsbilder.
 So weiß man beispielsweise, dass eine obstruktive Schlafapnoe sich bei Diabetikern ungünstig auf den Stoffwechsel auswirkt: Bei diabetischen Schlafapnoikern lässt sich der Blutzucker oft schwieriger einzustellen. Außerdem haben sie häufig stark wechselnde Blutzuckerwerte, erhöhte Nüchternblutzuckerspiegel und hohe Nachtwerte.

  • Bei Diabetikern, die an Schlafapnoe leiden, treten vermehrt zentrale Apnoen auf. Möglicherweise liegt das an der bereits erwähnten Atemregulationsstörung durch die diabetische Polyneuropathie. Außerdem vermutet man, dass die nächtlichen Sauerstoffentsättigungen bei Diabetikern tiefer sind als bei Apnoikern ohne Diabetes.
  • Diabetiker, die unter einer obstruktiven Schlafapnoe leiden, erkranken besonders häufig an einer diabetischen Retinopathie. (Das sind Gefäßschäden in der Netzhaut des Auges, einhergehend mit einem zunehmenden Verlust der Sehschärfe, bis hin zur Erblindung).
  • Sowohl Diabetes als auch Schlafapnoe erhöhen das Risiko für Depressionen. Kommen alle drei Erkrankungen zusammen, so potenzieren sich die negativen Folgen für Lebensqualität und Lebensdauer der Betroffenen ein verhängnisvoller Teufelskreis. Im Vergleich zu Diabetikern ohne Depressionen leiden depressive Diabetiker beispielsweise elfmal häufiger unter Komplikationen an den kleinen Blutgefäßen. Die Gefahr von Schädigungen an den großen Gefäßen, die zu Durchblutungsstörungen oder Herzinfarkt führen können, ist um das 2,5-Fache erhöht. Außerdem verschlechtert sich durch Depressionen die Compliance: Wer an einer Depression leidet, neigt eher dazu, notwendige Behandlungsmaßnahmen wie beispielsweise eine CPAP-Therapie, die Einnahme seiner Diabetes-Medikamente oder notwendige Änderungen des Lebensstils zu vernachlässigen.

Mit CPAP gegen Zucker

Angesichts dieser gefährlichen Wechselwirkungen lag es natürlich nahe, zu untersuchen, ob eine CPAP-Therapie die Entstehung eines Typ-2-Diabetes verhindern oder zumindest hinauszögern kann und ob ein bereits bestehender Diabetes sich durch die nächtliche Beatmung bessern lässt. Mehrere wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass dies tatsächlich der Fall ist. Eine neuere amerikanische Studie hat beispielsweise gezeigt, dass der Blutzuckerspiegel nach den Mahlzeiten und der HbA1c-Wert (Blutzucker-Langzeitwert) sich bei 25 stark übergewichtigen Patienten, die unter mittelgradiger bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe und Typ-2-Diabetes litten, durch CPAP senken ließ. Und deutsche Wissenschaftler von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg konnten zeigen, dass sich bei Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe, die (noch) nicht an einem Diabetes leiden, die Insulinempfindlichkeit durch CPAP schon nach ein paar Tagen bessert. Die bisherigen Daten zeigen auch, dass es Patientengruppen gibt, bei denen eine CPAP-Therapie sich besonders günstig auf die Blutzuckerwerte auswirkt:

  • Je schlanker Schlafapnoe-Patienten sind, umso mehr verbessert sich ihre Insulinresistenz bzw. ihre Blutzuckereinstellung durch CPAP.
  • Je höher die Compliance der Patienten ist (d. h. je regelmäßiger sie ihr CPAP-Gerät nutzen), umso besser werden die Blutzuckerwerte.
  • Je schlechter die Blutzuckereinstellung der Patienten vorher war, umso stärker bessern die Blutzuckerwerte sich durch die CPAP- Therapie.

Wir müssen umdenken!

Aus all diesen Gründen sollten Diabetes-Patienten mit gewissen Risikofaktoren unbedingt auf das Vorliegen einer Schlafapnoe gescreent werden. Laut Schlafapnoe-Experte Professor Helmut Teschler von der Ruhrlandklinik (Essen-Haidhausen) empfiehlt sich ein solches Screening vor allem bei Diabetikern mit morgendlichen Hyperglykämien, stark schwankenden Blutzuckerwerten, therapieresistentem Bluthochdruck und hohem Herz-Kreislauf-Risiko. Weitere „Alarmsignale“ sind Tagesschläfrigkeit, vom Bettpartner beobachtete nächtliche Atempausen und natürlich Übergewicht. Umgekehrt sollte bei Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe und entsprechenden Risikofaktoren grundsätzlich nach einem Diabetes oder Prädiabetes gefahndet werden. Bei einem Patienten, der an einer schlafbezogenen Atemstörung leidet, muss insbesondere beim Vorliegen folgender Faktoren an einen Diabetes gedacht werden:

  • Übergewicht (80 % aller Patienten mit schlafbezogenen Atemstörungen leiden darunter)
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Bluthochdruck
  • bereits überstandene Herzerkrankung
  • familiäre Belastung: Wenn in der näheren Verwandtschaft (Eltern, Großeltern, Geschwister) Diabetes vorkam, so ist das ein wichtiger Warnhinweis darauf, dass auch der betreffende Patient ein erhöhtes Diabetesrisiko hat. Je eher man einen Diabetes oder Prädiabetes erkennt, umso besser kann man mit Medikamenten und natürlich auch durch eine Änderung der Lebensweise gegensteuern. Und mit diesem Stichwort sind wir bei einem entscheidenden Punkt angelangt: der Notwendigkeit einer multimodalen, d. h. möglichst viele verschiedene Aspekte umfassenden Therapie.

Kardiometabolisches Risikomanagement

„In der Medizin ist zurzeit in allen Bereichen ein Umdenken notwendig“, mahnt Diabetes-Experte Prof. Stephan Jacob. „Das zeigt sich zum Beispiel an der Behandlung eines zu hohen Blutdrucks: Früher hat der Arzt Bluthochdruck diagnostiziert, seinem Patienten Tabletten verschrieben, den Blutdruck dadurch gesenkt und war zufrieden. Aber den Rest der Bombe hatte er mit dieser Maßnahme überhaupt noch nicht entschärft! Es reicht nicht aus, einfach nur medikamentös den Blutdruck zu senken; man muss auch bei den Faktoren ansetzen, die diesen Bluthochdruck mitverursacht oder zumindest begünstigt haben: beispielsweise Übergewicht oder Bewegungsmangel kurz: einem ungesunden Lebensstil.“

Außerdem sollte man bestimmte Bluthochdruck-Patienten (mit schwer einstellbarem Hochdruck, fehlender Nachtabsenkung des Blutdrucks oder Schlafapnoetypischen Beschwerden) unbedingt auf das Vorliegen einer schlafbezogenen Atemstörung screenen. „Vielleicht“, meint Jacob, „machen wir analog zum Bluthochdruck auch in der Behandlung der Schlafapnoe etwas nicht ganz richtig. Was nützt es, wenn ich den Therapiedruck optimal einstelle, aber der Rest der Bombe weitertickt? Das haben wir in der Diabetologie inzwischen gelernt: Wenn wir den Blutzucker gut einstellen, aber die anderen Risikofaktoren nicht auch vermindert werden (z. B. die Patienten nicht abnehmen), können wir nicht viel erreichen. Deshalb hat die amerikanische Diabetes-Gesellschaft uns inzwischen alle dazu ermahnt, ein kardiometabolisches Risikomanagement zu betreiben. Dazu gehört beim Diabetiker beispielsweise, dass ich mein Augenmerk neben dem Bluthochdruck, den Blutfetten und dem Gewicht auch auf die Frage richte: Besteht eine Schlafapnoe oder gibt es Hinweise darauf? Diesem Verdacht nachzugehen und eine möglicherweise vorliegende Schlafapnoe dann konsequent zu behandeln, ist viel sinnvoller, als solch einem Patienten einfach noch mehr Insulin zu verordnen.“ Nicht nur jeder Diabetiker, sondern auch jeder Schlafapnoe-Patient braucht ein solch kardiometabolisches Risikomanagement, denn er ist stets auch ein Hochrisikopatient für Herz-Kreislauf-Ereignisse. Diese Zusammenhänge werden in der ärztlichen Praxis leider immer noch viel zu wenig beachtet.

Beim Diabetes ebenso wie bei der obstruktiven Schlafapnoe muss man das Herz-Kreislauf-Risiko breitgefächert senken; und einer der „einfachsten“, da ursächlich angreifenden Wege dazu führt über eine Reduktion des Bauchumfangs und des Körpergewichts. Denn das sowohl beim Diabetiker als auch beim Schlafapnoiker häufig bestehende Übergewicht geht meist auch noch mit einer ganzen Reihe anderer Herz-Kreislauf-Risikofaktoren einher, nämlich mit Bluthochdruck, ungünstigen Cholesterinwerten und einem zu hohen Triglyzeridspiegel und jeder einzelne dieser Risikofaktoren attackiert dasselbe Organ, nämlich das Gefäßsystem. Eine konsequente Änderung der Lebensweise ist daher mindestens ebenso wichtig wie jede medikamentöse Therapie.

Quelle: das schlafmagazin; Sonderheft Heft / 2012