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Schlafstörungen

Verschiedene Artikel rund um das Thema Schlafmedizin

Warum der Job uns manchmal den Schlaf raubt

Jeder zweite Berufstätige leidet unter Schlafproblemen, wobei psychische Belastungen am Arbeitsplatz auf der Liste der Ursachen ganz weit oben stehen – das war schon im DAK-Gesundheitsreport 2010 zu lesen. Eine aktuelle Umfrage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigt nun, welche Stressfaktoren Berufstätigen am meisten zusetzen: An der Spitze stehen starker Termin- und Leistungsdruck, gefolgt von dem Problem, dass man bei der Arbeit immer wieder gestört oder unterbrochen wird, sehr schnell arbeiten und verschiedene Aufgaben gleichzeitig betreuen muss. Der Mensch ist eben doch nicht fürs Multitasking geschaffen!

Außerdem ist natürlich auch der zunehmende Zwang, rund um die Uhr beruflich erreichbar sein zu müssen, eine große Belastung. Viele Arbeitnehmer checken auch nach Feierabend und am Wochenende ihre beruflichen E-Mails. Nicht immer verlangt der Chef das – viele tun es aus Pflichtgefühl. „Häufig sind es die leistungsorientierten Mitarbeiter, die zwischen Job und Freizeit nicht strikt trennen“, erklärt Michael Nasterlack von der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin. Im schlimmsten Fall kämpfen sie irgendwann mit einem Erschöpfungssyndrom. Um negative Folgen für die Gesundheit zu vermeiden, sollten Beschäftigte sich deshalb feste Regeln setzen. Gut sei zum Beispiel, nach 20.00 Uhr keine geschäftlichen E-Mails mehr zu lesen. „Das geht nicht in jeder Position“, räumt Nasterlack ein. Aber wer nicht unbedingt muss, sollte darauf verzichten. Am Wochenende sind Beschäftigte am besten an mindestens einem Tag offline. So schützen sie ihr Privatleben. Erste Warnzeichen für eine zu starke Entgrenzung von Job und Freizeit sei, dass Beschäftigte auch beim Einschlafen oder am Wochenende noch über berufliche Probleme nachgrübeln.


Genügend Schlaf – weniger Arbeitsausfalltage

Das zeigt eine finnische Studie mit 3760 Probanden im Alter von 30 bis 64 Jahren, die vor kurzem in der bekannten Fachzeitschrift Sleep erschienen ist. Die optimale Schlafdauer, bei der das Risiko für krankheitsbedingte Arbeitsausfalltage am niedrigsten war, betrug für Frauen 7,6 Stunden und für Männer 7,8 Stunden.

Artikel: Lallukka T, Kaikkonen R, Härkänen T, Kronholm E, Partonen T, Rahkonen O, Koskinen S. Sleep and sickness absence: a nationally representative registerbased follow-up study. SLEEP 2014;37(9):1413-1425.


Neue Erkenntnisse über Schlafstörungen im Alter

Ältere Menschen leiden häufig unter Ein- und Durchschlafstörungen und werden morgens oft schon sehr früh wach. Jetzt sind Schlafforscher den Ursachen dafür auf den Grund gegangen: Bei Senioren und Alzheimer-Patienten ist die Anzahl von Nervenzellen in einer bestimmten Hirnregion stark verringert – und von genau diesen Neuronen weiß man, dass ihr Absterben in Tierversuchen zu Schlafstörungen führt. „Diese Erkenntnisse könnten bei der Entwicklung neuer Methoden zur Bekämpfung von Schlafproblemen bei älteren Menschen helfen und dazu beitragen, dem durch Schlafmangel bedingten geistigen Abbau bei Demenzpatienten vorzubeugen“, erklärt Studienautor Clifford Saper.

Artikel: Andrew S. P. Lim, Brian A. Ellison, Joshua L. Wang, Lei Yu, Julie A. Schneider, Aron S. Buchman, David A. Bennett, and Clifford B. Saper. Sleep is related to neuron numbers in the ventrolateral preoptic/intermediate nucleus in older adults with and without Alzheimer’s disease. Brain, August 2014 DOI: 10.1093/brain/awu222


 Nächtliches Großreinemachen

Amerikanische Wissenschaftler haben in Versuchen an Mäusen nun erstmals entdeckt, warum Schlaf für uns lebensnotwendig ist: Sie untersuchten die Gehirne von wachen und schlafenden Mäusen, maßen den Durchstrom der Hirnflüssigkeit und den Anteil der Zwischenräume zwischen den Nervenzellen am Hirnvolumen. Dabei stellten sie fest, dass dieser sich während des Schlafs vergrößert: Bei wachen Mäusen betrug er nur 13 bis 15% des Hirnvolumens, bei schlafenden Tieren dagegen 22 bis 24%. So kann die Gehirnflüssigkeit im Schlaf besser fließen und Abfall- und Giftstoffe abtransportieren, die die Nervenzellen im Wachzustand erzeugen.

Artikel: Lulu Xie et al.: Sleep Drives Metabolite Clearance from the Adult Brain. Science 342, 373 (2013); DOI: 10.1126/science.1241224


 Unterbrochener Schlaf ist genauso schlimm wie gar kein Schlaf

Wissenschaftler von der Universität Tel Aviv weckten Probanden viermal pro Nacht per Telefon; dann mussten sie jeweils eine kleine Aufgabe am Computer lösen, ehe man sie nach 10 oder 15 Minuten weiterschlafen ließ. Dabei zeigte sich, dass wiederholte Schlafunterbrechungen offenbar genauso negative Auswirkungen haben wie eine Nacht mit nur vier ununterbrochenen Stunden Schlaf: Die Aufmerksamkeit der Versuchspersonen am nächsten Tag war verringert, ihre Stimmung schlechter als sonst. Keine gute Nachricht für Menschen, die nachts häufig aus dem Schlaf gerissen werden, wie beispielsweise junge Eltern oder Ärzte im Bereitschaftsdienst!

Artikel: Michal Kahn, Shimrit Fridenson, Reut Lerer, Yair Bar-Haim, Avi Sadeh. Effects of one night of induced night-wakings versus sleep restriction on sustained attention and mood: a pilot study. Sleep Medicine, 2014; 15 (7): 825 DOI: 10.1016/j.sleep.2014.03.016


Hypnose als Alternative zu Schlafmitteln?

In einer Studie der Universitäten Zürich und Fribourg mussten sich 70 gesunde junge Frauen zu einem Mittagsschlaf ins Schlaflabor begeben. Vor dem Einschlafen bekamen sie entweder einen neutralen Text oder eine von der Hypnotherapeutin Prof. Angelika Schlarb entwickelte 13-minütige Tiefschlafhypnose zu hören. Zuvor wurden die Probandinnen einem Standardtest unterzogen, der zeigt, ob man gut hypnotisierbar ist oder nicht. Das Ergebnis der Studie: Nicht gut hypnotisierbaren Teilnehmerinnen brachte die Tiefschlafhypnose nichts; die mittelgut hypnotisierbaren Frauen hatten danach jedoch um 80% mehr Tiefschlaf als ohne Hypnose und lagen um ein Drittel weniger wach. Fazit der Studie: Für Menschen, die darauf ansprechen (etwa 50% der Bevölkerung fallen in die Kategorie „mittelgut hypnotisierbar“), könnte Hypnose eine sinnvolle Alternative zu Schlafmitteln sein.

Artikel: Maren Cordi, Angelika Schlarb, Björn Rasch. Deepening sleep by hypnotic suggestions. Sleep. 37(6). June 1, 2014. http://dx.doi.org/10.5665/sleep.3778


 Was Ihr Schlaf über Ihre Beziehung verrät

Forscherinnen von der Universität Pittsburgh haben herausgefunden, dass der Schlaf-wach-Rhythmus von Ehepaaren synchroner verläuft, wenn die Frauen mit ihrer Beziehung zufrieden sind. Sie untersuchten den Schlaf von 46 Paaren und stellten dabei fest, dass zwei Bettpartner im Durchschnitt 75% der Nacht gemeinsam schlafend oder wachend verbringen. Wenn die Frauen die Ehe als glücklich empfanden, erhöhte sich dieser Anteil.

Artikel: Sleep, 37: Supplement, 2014, Abstract 0133


 Sage mir, wie du schnarchst …

…und ich sage dir, was dir fehlt? So weit sind wir bisher leider noch nicht. Natürlich wäre es praktisch, anhand von Geräuschanalysen festzustellen, ob jemand an bloßem („primärem“) Schnarchen ohne Krankheitswert leidet oder eine obstruktive Schlafapnoe hat. Wie schön wäre es, wenn es eine App gäbe, mit der man seine Schnarchgeräusche nachts aufzeichnen und am nächsten Morgen automatisiert auswerten lassen könnte! Wissenschaftler arbeiten eifrig an der Entwicklung eines solchen Diagnostik-Tools; und es gibt auch bereits vielversprechende Ansätze. Zurzeit befindet sich die akustische Analyse von Schnarchgeräuschen allerdings noch im experimentellen Stadium. Sie kann zwar Hinweise auf die Art des Schnarchens und den Entstehungsort der Geräusche liefern, wird die herkömmliche Polygrafie bzw. Polysomnografie in nächster Zeit aber wahrscheinlich nicht ersetzen.

Artikel: C. Janott, W. Pirsig, C. Heiser: „Akustische Analyse von Schnarchgeräuschen“. Somnologie 2014. 18: 87–95


 Lungenkrank durch Billig-Kopfkissen

Ein neunjähriger, zuvor gesunder Junge litt seit einem Monat unter zunehmender Müdigkeit, Gewichtsverlust und trockenem Husten. Im Krankenhaus wurde eine allergisch bedingte Entzündung der Lungenbläschen (Alveolitis) festgestellt, die durch Einatmen verschiedener organischer Stäube verursacht wird. Wo die Krankheit herkam, war Ärzten und Eltern ein Rätsel, da bei dem Kind keine typischen Auslöser wie Heu- oder Vogelkontakt vorlagen. Schließlich entdeckte die Mutter die Lösung des Rätsels: Neue Daunenkissen und -decken, die sie vor kurzem im Rahmen eines Billigangebots gekauft hatte, enthielten stark verschmutzte Federn, in denen bei einer Analyse Aktinomyceten nachgewiesen wurden. Das sind Bakterien, die häufig in Silos, Getreidemühlen und Ställen vorkommen und eine allergische Alveolitis verursachen können. Diese Erkrankung wird deshalb auch als „Farmerlunge“ oder „Vogelzüchterlunge“ bezeichnet. Nach Entfernung der Kissen und Decken erholte sich der Junge schnell wieder. Wäre die Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt worden, hätte er einen bleibenden Lungenschaden davontragen können. Fazit: Beim Kauf von Bettdecken und Kissen sollte man auf Qualität achten!

Artikel: D. Schmid, P. Waibel et al.: Im Schlaf zur Farmerlunge. Forum Med Suisse 2014; 14(4): 64–66


 Schlaftraining für Dialysepatienten

Menschen mit schweren Nierenerkrankungen leiden oft unter Schlafproblemen wie beispielsweise Ein- und Durchschlafstörungen, Tagesschläfrigkeit und Restless-Legs-Syndrom. Neuere Studien zeigen, dass Schlafmangel und Schlafstörungen die Lebensqualität von Dialyse-Patienten beeinträchtigen und ihre Lebenserwartung verkürzen.

In einer iranischen Studie untersuchten Wissenschaftler die Wirksamkeit eines Schlaftrainings für Dialyse-Patienten: 41 Patienten nahmen an sechs Schulungssitzungen zu je 30 Minuten teil, die aus Einzeltrainings, Vorträgen und Gruppendiskussionen bestanden. In diesen Sitzungen wurden sie unter anderem über schlaffördernde Maßnahmen („Schlafhygiene“) informiert und erlernten Entspannungs- und Imaginationsübungen. Am Ende der Studie hatte sich nach eigenen Angaben dieser Patienten ihre Schlafqualität verbessert, sie konnten schneller einschlafen und fühlten sich tagsüber fitter als die 41 Patienten aus der Kontrollgruppe, die kein Schlaftraining erhalten hatten.

Artikel: Dr. rer. medic. Dietmar Wiederhold: Effektivität eines Trainingsprogramms zur Verbesserung des Schlafes. Dialyse aktuell 2014; 18 (7): 354


 Schlafwandler stürzt Felsen hinunter

Wer schlafwandelt, lebt gefährlich: Anfang September dieses Jahres ging der 27-jährige Ryan Campbell aus Ohio nichtsahnend auf einen Campingausflug, legte sich in einer Hängematte zur Ruhe – und wachte eine Stunde später fast 20 Meter tiefer in einem Rhododendronbusch auf. Freunde hatten beobachtet, wie er aufstand und zu schlafwandeln begann, konnten aber nicht mehr rechtzeitig eingreifen: Hilflos mussten sie mitansehen, wie er auf einen in der Nähe gelegenen Felsvorsprung zuging und in die Tiefe stürzte. Sie alarmierten Rettungskräfte, die fast drei Stunden brauchten, um sich an der steilen Felswand abzuseilen und zum Unfallort zu gelangen. Wundersamerweise lebte Ryan Campbell noch und hatte auch keine schweren Verletzungen: Der Rhododendronstrauch, in dem er gelandet war, hatte ihm das Leben gerettet. Im Krankenhaus musste er wegen einer Schnittwunde am Hinterkopf und einem angeknacksten Rückenwirbel verarztet werden und schwört, dass dies das erste und letzte Mal war: „In Zukunft werde ich mich nicht mehr in eine Situation bringen, in der mir so etwas passieren kann.“ Tatsächlich empfehlen Ärzte Schlafwandlern, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, die sie vor Selbstverletzung schützen – also z.B. dafür zu sorgen, dass sie nachts das Fenster nicht öffnen können. Mit der sogenannten „schlafwandlerischen Sicherheit“ ist es nämlich nicht weit her.

Artikel: „Man Sleepwalks Over Cliff While Camping“, http://abcnews.go.com/US/man-sleepwalks-cliff- camping/story?id=25403691


 Herzinsuffizienz stört Schlafrhythmus

Menschen mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) leiden nicht nur häufiger an schlafbezogenen Atemstörungen wie obstruktiver Schlafapnoe oder Cheyne-Stokes-Atmung. Wie eine neue Studie zeigt, ist auch ihre Schlafarchitektur gestört: In der Gesamtschlafdauer unterscheiden sie sich zwar nicht von herzgesunden Menschen; sie haben aber einen geringeren Anteil an Leichtschlaf und REM-Schlaf. Der REM-Schlaf ist eine Schlafphase, die durch rasche Augenbewegungen (rapid eye movements = REM) gekennzeichnet ist, in der wir unsere lebhaftesten Träume haben und die für unsere geistige und seelische Regeneration besonders wichtig ist. Unter anderem dient er der Konsolidierung von Gedächtnisinhalten.

Artikel: DGK Abstract Türoff et al., Schlafqualität und -quantität bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz im Vergleich zu einem Vergleichskollektiv ohne kardiale Vorgeschichte. Clin Res Cardiol 103, Suppl 2, Oktober 2014 – Beitrag PP100

Quelle: das schlafmagazin 4/2014

Viele Schlafprobleme gehen mit psychischen Störungen einher. So erhöhen Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnien) beispielsweise das Risiko für die Entstehung einer Depression. Auch Schlaf-Apnoiker und Restless-Legs-Patienten leiden häufig unter Depressionen oder Angststörungen. Oft kann man diesen Patienten am besten helfen, indem man neben ihrer Schlafstörung auch die psychische Erkrankung mitbehandelt. Um dieses Thema ging es im „Update Schlafmedizin“, das im November letzten Jahres am Pfalzklinikum in Klingenmünster stattfand.
…von Marion Zerbst

Depression als Grund für schlechten Schlaf

Ungenügender Schlaf kann gesundheitliche Risiken mit sich ziehen & die Psyche belasten

Die meisten depressiven Menschen schlafen schlecht. Umgekehrt leiden viele Insomniker gleichzeitig auch unter Depressionen: Durch eine Ein- oder Durchschlafstörung verdoppelt sich das Risiko, an einer Depression zu erkranken. „Das heißt aber nicht, dass jeder, der schlecht schläft, depressiv wird“, erklärte Professor Dieter Riemann, leitender Psychologe an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg, in seinem Vortrag. „Normalerweise liegt das Risiko, irgendwann im Leben einmal eine Depression zu entwickeln, bei 10%; bei Insomnikern sind es dann eben 20 %.“

Schlafstörungen können ein Frühwarnsignal für die Entstehung einer Depression sein. Das gilt insbesondere für Menschen, die schon einmal eine depressive Episode durchgemacht haben: Schlaflosigkeit ist das erste warnende Anzeichen dafür, dass sich eine erneute Depression ankündigt, und kann dieser um bis zu vier Wochen vorausgehen. „Deshalb geben wir unseren depressiven Patienten den Ratschlag mit auf den Weg, nicht nur, wenn ihre Stimmung wieder schlechter wird, sondern auch, wenn ihr Schlaf sich erneut verschlechtert, so schnell wie möglich zu uns zu kommen; denn dann können wir diesen Prozess vielleicht noch rechtzeitig abbremsen, damit der Patient nicht wieder in eine Depression hineinrutscht.“

Eine adäquate Insomnie-Therapie kann also durchaus eine sinnvolle vorbeugende Maßnahme gegen die Entstehung von Depressionen sein. Hundertprozentig bewiesen ist das zwar bis jetzt noch nicht, aber es spricht vieles dafür: „Es gibt Studien, die zeigen, dass das Behandlungsergebnis bei depressiven Patienten mit Schlafstörungen besser ist, wenn sie zugleich auch eine Verhaltenstherapie für ihre Insomnie bekommen.“

Vorsicht mit Antidepressiva bei RLS-Patienten!

Auch Patienten, die an einem Restless Legs Syndrom (der „Krankheit der unruhigen Beine“, kurz: RLS) leiden, haben ein höheres Risiko für Depressionen. Bei ihnen stehen Depressionssymptome im Vordergrund, die auch auf den durch das RLS gestörten Schlaf zurückzuführen sein können: Ermüdbarkeit, Reizbarkeit, Unzufriedenheit. „Es könnte sich dabei um eine reaktive Depression – also eine Reaktion auf die RLS-Symptome – handeln“, erklärte Diplompsychologe Dr. Marcus Schweitzer, der das Schlaflabor der psychosomatischen Klinik Angermühle in Deggendorf leitet.

Bei einem Restless Legs Syndrom, das von einer leichten Depression begleitet wird, empfiehlt er daher, zuerst einmal das RLS zu behandeln und zu schauen, ob die Depression dadurch nicht von selbst abklingt. Eine mittelschwere bis schwere Depression sollte hingegen gleich mitbehandelt werden. Allerdings ist hier Vorsicht geboten; denn manche Antidepressiva (beispielsweise Mirtazapin) können ein RLS auslösen oder verstärken.

Auch Narkoleptiker haben eine erhöhte Rate an psychiatrischen Erkrankungen: Nicht nur Depressionen, sondern auch bipolare Störung, Agoraphobie und ADHS im Kindesalter kommen bei ihnen häufiger vor als bei schlafgesunden Menschen. Als komplizierender Faktor kommt bei Narkolepsie-Patienten noch hinzu, dass sie viele Medikamente einnehmen müssen: So erhalten sie beispielsweise Antidepressiva zur Kontrolle ihrer Kataplexien und Stimulanzien gegen ihre Müdigkeit. Außerdem leiden Narkoleptiker besonders häufig unter Herz-Kreislauf- Erkrankungen (z.B. metabolischem Syndrom, Bluthochdruck und zu hohen Cholesterinwerten), die ebenfalls die Einnahme von Arzneimitteln erforderlich machen.

Oft weiß man im Einzelfall nicht, ob psychische Störungen auf die Narkolepsie und die damit einhergehende seelische Belastung oder auf die Medikamente zurückzuführen sind. Die Einnahme von Stimulanzien kann beispielsweise dazu führen, dass Menschen sich impulsiver und manchmal auch risikofreudiger verhalten. Und das Natriumoxybat, das Narkoleptiker gegen ihre Kataplexien einnehmen, kann depressive und psychotische Symptome auslösen. Leider gibt es bisher noch keine hinreichende Evidenz für spezifische Behandlungsstrategien, die sinnvoll sein könnten, wenn Narkoleptiker psychiatrisch erkranken.

Alkohol ist kein Schlummertrunk

Menschen, die schlecht schlafen, haben nicht nur ein erhöhtes Risiko für diverse psychische Störungen, sondern rutschen auch leichter in eine Alkoholabhängigkeit hinein. Irgendwie ist es ja auch verständlich, dass jemand, der permanent schlecht schläft, ab und zu einmal versucht, sich mit Alkohol zu „betäuben“. Aber davor kann nur gewarnt werden: Alkohol ist kein Schlummertrunk! Er führt keinen erholsamen Schlaf herbei, sondern erleichtert lediglich das Einschlafen. Doch hat das Schlafmuster, das Menschen im Alkoholrausch erleben, mit natürlichem Schlaf nur wenig zu tun: Es handelt sich eher um einen betäubungsähnlichen Zustand. Und selbst dieser ist nicht von langer Dauer: Schon nach drei bis vier Stunden erwacht der alkoholisierte Schläfer mit Schwitzen, Unruhe, Durst, zu hohem Blutdruck und Herzrasen, denn jetzt erlebt er quasi einen „Mini-Alkoholentzug“ mit den typischen Entzugssymptomen. Viele Alkoholabhängige gönnen sich jetzt einen alkoholischen „Nachtrunk“, um die Entzugserscheinungen abzumildern und wieder einschlafen zu können. Ohne diesen Nachtrunk stellt sich in der zweiten Nachthälfte ein ausgeprägtes insomnisches Schlafprofil mit starker Schlaffragmentierung ein.

Auch bei Menschen, die sich einem Alkoholentzug unterziehen, ist die Schlafarchitektur massiv gestört: Sie können schlechter einschlafen und liegen nachts häufig wach. Die Tiefschlafdauer ist vermindert. Mit der Zeit – und mit dem Abklingen der Entzugssymptome – normalisiert sich der Schlaf dann allmählich wieder. „Anti-Craving-Substanzen“ wie Acamprosat (Campral®) werden zur Unterstützung bei Alkoholentzug eingesetzt, weil sie die Lust auf Alkohol verringern. Sie eignen sich aber auch für die Behandlung von Schlafstörungen während des Alkoholentzugs, und der Arzt sollte sie den Patienten daher lieber über längere Zeit verschreiben: „Zehn Wochen sind gut – zehn Monate sind besser, um eine Regeneration der vollkommen durcheinandergeratenen Neurotransmitter zu ermöglichen“, meint Professor Reinhard Steinberg, der sich auf das Thema „Schlaf und Suchterkrankungen“ spezialisiert hat. Denn wenn ein Patient im Alkoholentzug über gestörten Schlaf klagt, ist das ein wichtiges Warnsignal für einen drohenden Rückfall.

Hände weg von Zigaretten und zu viel Kaffee

Nikotinabhängigkeit erzeugt ebenfalls ein insomnisches Schlafmuster: Der Schlaf verkürzt sich, das Schlafprofil ist gestört (was freilich durch Nikotinpflaster abgemildert werden kann). Auch erhöhter Koffeinkonsum kann zu erheblichen Schlafstörungen führen. Wer Schlafprobleme hat, sollte daher ab dem frühen Nachmittag lieber auf koffeinhaltige Getränke verzichten und überhaupt möglichst wenig Kaffee zu trinken, da dieser mehr Koffein enthält als Tee.

Grundsätzlich gilt, dass eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung, Nikotinverzicht und nur gelegentlichem, maßvollem Alkoholkonsum die beste Voraussetzung für einen gesunden Schlaf ist. Weitere Ursachen von Schnarchen & schlechtem Schlaf, finden Sie auf unserer Seite: Schnarchen verhindern.

Quelle: das schlafmagazin 1/2015

Schlafstörungen und Schmerzen sind ein unangenehmes Zweigespann: Sie treten häufig zusammen auf und können sich gegenseitig verstärken. Außerdem gibt es bestimmte Schmerzarten, die oft oder ausschließlich aus dem Schlaf heraus beginnen. Besonders häufig ist das bei Kopfschmerzen der Fall.
…von Anne Greveling

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass zwischen Kopfschmerz und Schlaf ein enger Zusammenhang besteht: 75 % aller Kopfschmerzpatienten leiden unter einem gestörten Schlaf. Die kausalen Beziehungen zwischen diesen beiden Krankheitsbildern sind sehr vielfältig: So können bestimmte Schlafstörungen Kopfschmerzen verursachen; andererseits kann der Schmerz einem aber auch den Schlaf rauben. Und nicht zuletzt gibt es Medikamente gegen Schlafstörungen, die bei manchen Menschen Kopfschmerzen auslösen. Dies ist zum Beispiel bei Benzodiazepinen und beim „Wachmacher“ Modafinil der Fall, der zur Behandlung der Narkolepsie eingesetzt wird.

Kopfweh durch Schlafstörungen

Kopfschmerzen können durch schlechten und unzureichenden Schlaf verursacht sein

Foto AOK Mediendienst

Chronischer Schlafmangel und obstruktive Schlafapnoe (OSA) erhöhen nicht nur das Risiko für Unfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern können auch zu Kopfschmerzen führen: Ein bis zwei Drittel aller OSA-Patienten klagen über meist morgendlichen Kopfschmerz, dessen Intensität in der Regel mit dem Schweregrad der nächtlichen Atemstörung korreliert. Werden die Patienten mit einer CPAP-Therapie behandelt, so verschwinden die Schmerzen normalerweise. Aber auch isoliertes Schnarchen – ohne Atemstillstände – ist bereits ein Risikofaktor für morgendliche Kopfschmerzen.

Und schlafbezogene Atemstörungen sind leider keineswegs die einzigen Schlafprobleme, die Kopfweh verursachen können: Auch von den Patienten, die an einem Restless-Legs-Syndrom oder unwillkürlichen nächtlichen Beinbewegungen leiden, klagen etwa 25 % morgens häufig über Kopfschmerzen.

Wenn die Seele mit den Zähnen knirscht …

Ein weiteres Problem, das morgens zu Kopfweh aber auch zu Schmerzen in Nacken, Kiefergelenken und Kaumuskulatur führen kann, ist nächtliches Zähneknirschen (im medizinischen Fachjargon als Bruxismus bezeichnet). Denn durch den Druck beim Zusammenpressen von Ober- und Unterkiefer kommt es zu Verspannungen der Kaumuskulatur, die sich oft bis in den Nackenbereich hinein ausdehnen. Außerdem werden dadurch leider auch oft die Zähne und Kiefergelenke geschädigt: Es kann zum Abrieb der Kauflächen, zu Rissen im Zahnschmelz oder sogar zu einem Verschleiß der Kiefergelenke kommen, die durch das ständige Knirschen überlastet werden. Meist liegen dem nächtlichen Zähneknirschen Stress oder psychische Probleme wie beispielsweise Angststörungen und Depressionen zugrunde: Man ist innerlich so angespannt, dass man auch nachts nicht „loslassen“ kann.

In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, sich beim Zahnarzt eine Knirscherschiene anpassen zu lassen. Diese aus durchsichtigem Kunststoff gefertigten Schienen werden nachts getragen und entspannen die Kaumuskulatur, sodass die Schmerzen in Kopf, Nacken und Kiefer zurückgehen. Gegen die innere Anspannung hilft die Schiene allerdings nicht: Hier kann das Erlernen von Entspannungsübungen und Stressbewältigungsstrategien hilfreich sein.

Das Gewitter im Kopf

Migräne kann einem das Leben zur Hölle machen: Diese Kopfschmerzen sind so schlimm, dass viele Betroffene sich bei einer Migräneattacke in einen abgedunkelten Raum zurückziehen und nur noch ihre Ruhe haben wollen. Hinzu kommen unangenehme Begleitsymptome wie Sehstörungen, Licht- oder Lärmempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen. Die Kopfschmerzanfälle treten auffallend häufig aus dem Schlaf heraus auf: Oft beginnen sie während des REM-Schlafs, im Tiefschlaf oder auch während eines Nickerchens am Tag. Außerdem führen sie auch wiederum zu Schlafstörungen: Während einer Migräneattacke ist der REM-Schlaf vermindert und die Schlafqualität häufig beeinträchtigt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen ferner, dass Migränepatienten besonders häufig unter Schlafwandeln, plötzlichem nächtlichem Hochschrecken (Pavor nocturnus) und Bettnässen leiden. Außerdem besteht offenbar auch ein Zusammenhang zwischen Migräne und RLS: Das Risiko, an beidem zu erkranken, ist erhöht.

Andererseits kann Schlaf die Migräne-Folter aber auch beenden: Am wohltuendsten für diese Patienten ist Ruhe und Entspannung in einer reizarmen Umgebung; meist wird der Migräneanfall dann von einem tiefen und erfrischenden Schlaf beendet. Hinterher fühlt man sich wieder „wie neugeboren“. Außer Schlafen helfen Medikamente und zur Vorbeugung von Anfällen ein geregelter Tagesablauf; denn der Migräne liegt eine Reizverarbeitungsstörung im Gehirn zugrunde: Migränepatienten sind reizüberempfindlich, das heißt, ihr Gehirn kann die vielen Außenreize, die ständig auf uns einstürmen, nicht so gut filtern. Irgendwann kommt es dann zum Migräneanfall, bei dem das Gehirn sich von der Reizüberflutung erholt und der Patient durch die Schmerzen gleichzeitig zur Abschirmung vor Außenreizen gezwungen wird. Migräne-Experten sind der Meinung, dass Patienten, die sich von vornherein genügend Ruhephasen gönnen, Migräneanfällen auf diese Weise weitgehend vorbeugen und lernen können, gut mit ihrer Krankheit zu leben. Für solche Menschen sind Stress und Aufregung Gift, und eine ruhige, ausgewogene Lebensweise ist das beste Heilmittel!

Schmerzen, die einen zum Wahnsinn treiben können Auch Clusterkopfschmerzen treten bei 60 % der Patienten sehr häufig und bei 8 % sogar ausschließlich während des Schlafs (häufig zwischen ein und drei Uhr nachts) auf. Bei diesem zum Glück seltenen, attackenartigen Kopfschmerztyp tut es hinter, über oder neben dem Auge weh, und zwar so schlimm, als würden einem glühende Nadeln oder Messer durchs Auge gestoßen – so beschreiben manche Patienten ihre Schmerzen. Betroffen ist (ähnlich wie bei der Migräne) immer nur eine Gesichtshälfte. Oft strahlt der Schmerz vom Auge in die gesamte betroffene Gesichts- oder Schädelhälfte, den Kiefer oder Nacken aus. Gleichzeitig leidet der Patient unter geröteten Augen, Tränenfluss, geschwollenen Nasenschleimhäuten (wodurch das Gefühl einer „verstopften Nase“ entsteht); er schwitzt, und seine Pupillen verengen sich. Die Schmerzen, die zwi-schen zehn Minuten und drei Stunden andauern können, sind so mörderisch, dass diese Kopfschmerzart sehr treffend auch als Suicide Headache (Selbstmordkopfschmerz) bezeichnet wird.

Die Attacken treten gebündelt (in „Clustern“) auf und wiederholen sich während dieser Krankheitsphasen, die sich über Wochen oder manchmal sogar Monate erstrecken können, immer wieder. Im Gegensatz zu Migränepatienten sind die Betroffenen während eines solchen Anfalls meistens eher unruhig, laufen herum und schlagen mit dem Kopf gegen die Wand oder mit den Fäusten auf den Tisch, weil die Schmerzen sie schier verrückt machen.

Es gibt gute medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapiemaßnahmen gegen den Clusterkopfschmerz; „heilen“ lässt er sich allerdings leider nicht. Durch eine wirksame Behandlung bessern sich aber meistens auch die Schlafstörungen; denn die nächtliche Erholung wird durch die höllischen Kopfschmerzen natürlich ebenfalls beeinträchtigt: Der Schlaf ist fragmentiert und unerholsam; Häufigkeit und Dauer der für unsere geistig-seelische Regeneration so wichtigen REM-Schlafphasen nehmen ab.

Und es gibt, wie man inzwischen weiß, auch noch weitere Zusammenhänge zwischen Clusterkopfschmerzen und gestörtem Schlaf: 60 % aller Patienten mit diesem Kopfschmerztyp leiden gleichzeitig unter schlafbezogenen Atemstörungen, wobei die Attacken gehäuft nach einer Sauerstoffentsättigung auftreten. Manchmal kann eine CPAP-Therapie die Häufigkeit der Kopfschmerzanfälle reduzieren.

Quelle: das schlafmagazin; Heft 02/ 2014