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Schlafapnoe und Übergewicht

Die meisten Schlafapnoiker sind „für ihr Gewicht zu klein“, wie ein bekannter, mit trockenem Humor gesegneter Schlafmediziner es gerne ausdrückt. Tatsächlich spielt Übergewicht als Ursache für die obstruktive Schlafapnoe gleich aus mehreren Gründen eine wichtige Rolle.

von ANNEMARIE DÖRING

Untersuchungen haben gezeigt, dass etwa 60 % aller Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe (OSA) zu viele Pfunde auf die Waage bringen; umgekehrt ist die OSA bei übergewichtigen Menschen viermal häufiger als bei Normalgewichtigen. Denn Fettpölsterchen setzen sich nicht nur am Bauch und an den Hüften an; auch die Zunge ist bei Übergewicht häufig dicker. Am Hals zu beiden Seiten des Rachens bilden sich bei gewichtigen Zeitgenossen ebenfalls Fettgewebspolster, die von außen auf den Rachen drücken, dadurch die Atemwege einengen und den Luftstrom behindern. Wenn die Rachenmuskulatur dann während des Schlafs erschlafft, kann sie diesem Druck nicht mehr genügend Widerstand leisten, und die oberen Atemwege verschließen sich, sodass es zum Atemstillstand kommt. Kernspintomografische Untersuchungen von Patienten mit Schlafapnoe haben diese Fettpolster zu beiden Seiten des Schlundes deutlich gezeigt – wobei der Schweregrad der Schlafapnoe mit dem Ausmaß der Fetteinlagerungen korrelierte. „Doppelkinn-Träger“ sind also besonders schnarch- und apnoegefährdet! Zu diesem übermäßigen Fettgewebe im Halsbereich kommt noch hinzu, dass bei Patienten mit Übergewicht das Zwerchfell im Liegen wesentlich höher steht und zusätzlich die Atmung behindert.

Abspecken lohnt sich

Die Erfahrung zeigt, dass OSA-Patienten, die abnehmen, häufig ihren CPAP-Therapiedruck verringern können und manchmal sogar ganz ohne nächtliche Beatmung auskommen. Eine neue am Karolinska-Institut in Stockholm durchgeführte Studie macht in dieser Hinsicht viel Hoffnung: In diese Studie wurden 63 Männer im Alter von 30 bis 65 Jahren aufgenommen, die an mittelschwerer bis schwerer Schlafapnoe litten. Alle diese Patienten wurden mit CPAP behandelt und litten an Übergewicht oder Adipositas (also Fettleibigkeit bzw. behandlungsbedürftigem Übergewicht).
Im Rahmen der Studie unterzogen sie sich einem einjährigen Gewichtsreduktionsprogramm, bei dem sie zunächst sieben Wochen lang eine Diät mit flüssiger Nahrung und sehr geringem Energiegehalt (550 Kilokalorien pro Tag) einhalten mussten. Dann folgten zwei Wochen mit normaler Nahrung und 1500 Kilokalorien pro Tag. Das anschließende Erhaltungsprogramm bestand in einer Gruppentherapie zur Verhaltensänderung und individueller Beratung durch einen Diätassistenten.
Von den 63 Männern hielten immerhin 58 die schwierige Anfangsphase des Gewichtsreduktionsprogramms durch; 44 absolvierten das ganze Programm. Vor Beginn der Studie hatte der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI = Anzahl der Apnoen und Hypopnoen pro Stunde) der Patienten im Mittel bei 36 gelegen. Nach neunwöchiger Diät war er im Durchschnitt um 21 obstruktive Ereignisse pro Stunde zurückgegangen. Die Gewichtsabnahme der Patienten lag bei durchschnittlich 18 kg.
Am meisten profitierten Patienten mit schwerer obstruktiver Schlafapnoe von dem Programm. 30 Studien- teilnehmer brauchten nach einem Jahr kein CPAP-Gerät mehr; bei sechs Patienten hatte sich die OSA sogar völlig zurückgebildet: Ihr AHI lag unter fünf obstruktiven Ereignissen pro Stunde.

Schlafapnoe: So können Sie vorbeugen

Die Studie zeigt, dass eine Gewichtsreduktion sich für Schlafapnoe-Patienten tatsächlich lohnt. Freilich wird nicht jeder Patient seine OSA damit in den Griff bekommen. Schließlich gibt es auch Schlafapnoe- Ursachen, die mit dem Gewicht nichts zu tun haben: beispielsweise vergrößerte Mandeln oder ein zurückgestellter Unterkiefer („fliehendes Kinn“).Außerdem werden durch die Schnarchvibrationen mit der Zeit Nervenendigungen und Gefäße der oberen Atemwege geschädigt, und das Gewebe erschlafft.
So kann langjähriges Schnarchen zur Entstehung einer Schlafapnoe führen; und wenn erst einmal Atemwegsstrukturen geschädigt sind, lässt sich dieser Schaden nicht wieder rückgängig machen. Dann nützt unter Umständen auch Abnehmen nicht mehr viel.
Deshalb empfiehlt Schlafapnoe- Experte Colin Sullivan (der Erfinder der CPAP-Therapie), rechtzeitig vor- zubeugen, um gar nicht erst zum Dauerschnarcher zu werden. Zwei wichtige (und beeinflussbare) Faktoren, die die Entstehung schlafbezogener Atemstörungen begünstigen, sind Alkohol und Körpergewicht.
„Alkohol verursacht Schnarchen und Atemwegsobstruktionen, weil er den Muskeltonus verändert“, warnt Colin Sullivan. Und wenn aus dem gelegentlichen „Schlummertrunk“ Gewohnheit wird und man sich zusätzlich vielleicht auch noch ein paar Kilo Übergewicht anfuttert, kann es problematisch werden. Daher empfiehlt Sullivan, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Besser ist es, von vornherein auf sein Gewicht zu achten und beim Alkoholkonsum Maß zu halten. Damit hat man gute Chancen, einer Schlafapnoe vorzubeugen.
Freilich ist das oft leichter gesagt als getan; denn zu einem großen Teil entscheiden die Gene darüber, ob man ein „guter Futterverwerter“ ist, bei dem sich leicht überflüssige Pfunde an Bauch oder Hüften ansammeln. Deshalb haben manche Menschen ihr Leben lang mit Gewichtsproblemen zu kämpfen, während andere anscheinend essen können, was sie wollen, ohne jemals zuzunehmen. Abnehmen: Ja gern – aber wie? Auch hier machen zwei neue Studien Mut, die zeigen, dass man mit Konsequenz und dem richtigen Gewichtsreduktionsprogramm tatsächlich etwas erreichen kann. In einer Studie untersuchten Wissenschaftler die Unterschiede in der Gewichtsabnahme zwischen übergewichtigen Personen, die von ihrem Arzt entweder an die Weight Watchers verwiesen worden waren oder die übliche Standardversorgung erhalten hatten, über einen Zeitraum von 12 Monaten.
Schlafapnoe und Übergewicht
Diese Studie, an der insgesamt 772 Männer und Frauen teilnahmen, zeigt, dass sich mit dem Gewichtsreduktionsprogramm der Weight Watchers tatsächlich eine ganze Menge erreichen lässt: Die Weight Watchers-Teilnehmer nahmen im Rahmen der einjährigen Studie 6,7 kg ab, während die Probanden in der anderen Gruppe nur 3,3 kg abspeckten. Auch Taillenumfang und Körperfettmasse nahmen bei den Weight Watchers-Teilnehmern stärker ab. Die Weight-Watchers-Methode ist ein Gewichtsreduktionsprogramm, bei dem jedem Nahrungsmittel und jedem Gericht ein fester Punktwert zugeordnet wird, der von seinem Eiweiß-, Fett-, Kohlenhydrat- und Ballaststoffgehalt abhängt. Wie viele Punkte ein Teilnehmer pro Tag konsumieren darf, wird zu Beginn der Diät in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren wie Gewicht, Körpergröße, Geschlecht und Alter individuell festgelegt. Mithilfe dieses Punktebudgets kann man dann seinen Speiseplan zusammenstellen.
Ein wichtiges Element der Methode sind die allwöchentlich stattfindenden Gruppentreffen, bei der die Teilnehmer von einer Gruppenleiterin Basisinformationen, Ernährungs- und Bewegungstipps erhalten und sich gegenseitig motivieren und unterstützen. Wer nicht in einer Gruppe abnehmen möchte, kann das Programm aber auch online, mithilfe von Broschüren oder CD absolvieren.Gewichtsreduktion durch „Astronautenkost“.Eine andere neue Studie hat gezeigt, dass auch bilanzierte Diäten ein guter Weg zur Gewichtsreduktion sind.
Bei diesen (auch als Astronautenkost oder Formula-Diäten bezeichneten) Produkten handelt es sich um speziell zusammengesetzte Lebensmittel, deren Inhaltsstoffe genau den Tagesbedarf an Energie, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen decken, sodass man sich ausschließlich davon ernähren kann.
In diesem Fall ist der Abnehmerfolg natürlich am größten. Wer weniger (oder langsamer) abnehmen möchte, kann aber auch nur einzelne Mahlzeiten durch diese „Astronautenkost“ ersetzen. Es gibt sie in flüssiger und pulverisierter Form zum Anrühren mit Wasser. Unterschiedliche Geschmacksrichtungen erleichtern die sicherlich nicht immer einfache Gewöhnung an diese Kost. Wichtig ist allerdings, dass der Abnehmwillige parallel dazu auch seine Ernährung und sein Bewegungsverhalten umstellt – sonst führt der Jo-Jo-Effekt dazu, dass man nach Beendigung der Diät wieder zunimmt. Deshalb hat beispielsweise die Firma Optifast ein ambulantes Gewichtsmanagementprogramm entwickelt, bei dem eine zwölfwöchige Formula- Diät (800 Kilokalorien pro Tag) von einer intensiven Betreuung durch ärzte, Psychologen, Ernährungs- und Bewegungsexperten begleitet wird.
Zu diesem sogenannten Optifast 52- Programm wurde im Jahr 2011 ebenfalls eine Studie durchgeführt. Ausgewertet wurden Daten von 8296 stark übergewichtigen Personen, die im Zeitraum von 1999 bis 2007 in Deutschland an dem Programm teilgenommen hatten. Nach einem Jahr hatten die Frauen im Durchschnitt 19,6 kg und die männlichen Teilnehmer 26 kg abgenommen. Auch der Bauchumfang – ein wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes – reduzierte sich bei allen Teilnehmern um durchschnittlich 11 cm. Begleiterkrankungen wie metabolisches Syndrom, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Fettleber und Diabetes wurden durch die Gewichtsabnahme deutlich verringert. Und es gelang den Teilnehmern, ihr neues Gewicht auch langfristig zu halten. Sobald die Waage anzeigt, dass man nach Beendigung des Programms wieder ein oder zwei Kilo zugenommen hat, kann man nämlich sehr leicht gegensteuern, indem man einfach einzelne Mahlzeiten durch die Formula- Diät ersetzt – so lange, bis das Gewicht wieder stimmt.Die beiden Studien beweisen, dass man mit einer kalorienreduzierten Diät, verbunden mit Ernährungsum- stellung, tatsächlich eine Menge erreichen kann. Begleitend dazu ist Bewegung wichtig: Sie unterstützt die Gewichtsabnahme und sorgt darüber hinaus für den Erhalt der Muskelmasse. Leider werden die Kosten für beide Programme in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen, sodass man sie aus eigener Tasche bezahlen muss.

Xenical & Co. Was für Möglichkeiten, sein Gewicht zu reduzieren, gibt es noch?

Viele Menschen setzen ihre Hoffnung auf Medikamente. Allerdings sind die neuesten Entwicklungen auf diesem Gebiet eher entmutigend. Wer irgendwelche rezeptfreien Pillen aus der Drogerie oder Apotheke schluckt, die angeblich „das Hungergefühl nehmen“ oder „die Fettverbrennung unterstützen“, kann nicht mit durchschlagendem Erfolg rechnen. Und von den rezeptpflichtigen Präparaten, die nachweislich eine gute Gewichtsabnahme ermöglichen, sind inzwischen etliche wegen schwerer Nebenwirkungen nicht mehr auf dem Markt erhältlich: Der Appetitzügler Sibutramin (Reductil®) steht im Verdacht, das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall zu erhöhen, und darf daher seit dem Jahr 2010 nicht mehr verordnet werden. Die Abnehmpille Rimonabant (Acomplia®) wurde wegen eines erhöhten Risikos für psychiatrische Erkrankungen (Depressivität bis hin zum Selbstmord) ebenfalls vom Markt genommen.
Damit bleibt als medikamentöse Abnehmhilfe jetzt nur noch der Lipasehemmer Orlistat (Xenical®) übrig.
Die durch Orlistat gehemmte Lipase ist ein Enzym, das Fett aufspaltet, damit der Körper es aufnehmen und entweder verarbeiten oder in Form von Fettgewebe speichern kann. Wird dieses Enzym im Darm blockiert, so kann etwa die Hälfte des Fetts nicht mehr aufgenommen werden, sondern wird über den Darm wieder ausgeschieden.
Wer Xenical® einnimmt, muss sich allerdings fettarm ernähren; sonst kommt es durch die hohe Menge an unverdautem Fett zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Blähungen, Durchfällen und stinkenden „Fettstühlen“. Außerdem kann das Medikament die Aufnahme fettlöslicher Vitamine wie beispielsweise Vitamin E behindern.

Letzter Ausweg: Operation.

Leider gibt es auch stark übergewichtige Patienten, denen das Abnehmen mit den oben beschriebenen Methoden nicht gelingt. Für sie bieten sich operative Verfahren an, mit denen man den Magen verkleinern und das Hungergefühl reduzieren kann. Allerdings handelt es sich bei diesen (als „Adipositaschirurgie“ oder auch „bariatrische Chirurgie“ bezeichneten) Verfahren um invasivere Eingriffe, die natürlich auch mit gewissen Risiken und Nebenwirkungen verbunden sind. Und man muss sein Essverhalten hinterher – mit verkleinertem Magen – deutlich umstellen.
Andererseits sind die Abnehmerfolge mit solchen Methoden sehr viel höher als bei anderen Verfahren. Auch Begleiterkrankungen krankhaften Übergewichts wie beispielsweise Diabetes, Bluthochdruck und obstruktive Schlafapnoe lassen sich dadurch deutlich verbessern und inmanchen Fällen sogar völlig beseitigen. Deshalb ist ein solcher Eingriff bei starkem Übergewicht (und wenn andere Bemühungen um eine Gewichtsreduktion fehlgeschlagen sind) durchaus zu erwägen.
Wichtig ist aber, dass man ihn an einem Zentrum durchführen lässt, das auf solche Operationen spezialisiert ist. Denn je mehr Erfahrung ein Chirurg in der Durchführung dieser Eingriffe mitbringt, umso niedriger ist natürlich die Komplikations- und auch die Todesrate. Außerdem müssen die Patienten nach der Operation von einem erfahrenen Team aus Diabetologen, Chirurgen, Psychologen und Diätologen nachbetreut werden, damit sie ihre Ernährungsumstellung und andere möglicherweise auftretenden Probleme gut in den Griff bekommen.
Quelle: das schlafmagazin; sonderheft 2012
Autorin: ANNEMARIE DöRING

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