0 0,00 EUR

Unterkieferprotrusionsschienen

Warum gefährdet Schnarchen die Gesundheit –  ein Beitrag von von PROF. (UNI. SHANDONG) DR. MED. FRANK LIEBAUG, DR. MED. DENT. NING WU

– Dieser Beitrag behandelt Schnarchschienen! –
Für weitere Informationen lesen Sie bitte auch unsere Zusammenfassung zu Schnarchschienen

Fortbildung für Schlafapnoe-Betroffene

Morgens ausgeschlafen aufzuwachen und tief durchatmen zu können, ist für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit. Denn sie leiden unter krankhaftem Schnarchen mit Atemaussetzern während des Schlafs, der so genannten obstruktiven Schlafapnoe. Dabei verschließen sich die oberen Atemwege, und die Sauerstoffzufuhr zu Lungen und Gehirn wird zeitweise unterbrochen.

Diese Atemstillstände halten jeweils so lange an, bis das Gehirn die lebensbedrohliche Situation durch eine automatische, unbemerkte Weckreaktion beendet: Der Kiefer schließt sich, die Zunge schiebt sich nach vorn, und der Rachen öffnet sich wieder. Dieser Zyklus kann sich über 50-mal pro Stunde, d. h. bis zu 600- mal pro Nacht wiederholen.

All dies wird von den Betroffenen selbst meist nicht bewusst wahrgenommen. Selbst Ärzte bringen die daraus resultierenden Beschwerden nicht immer mit ihrer eigentlichen Ursache, der Schlafapnoe, in Verbindung.

Da eine obstruktive Schlafapnoe zu massiven Schlafstörungen führt, leiden Betroffene oft unter einer vermehrten Tagesschläfrigkeit, durch welche die Leistungs- und Erwerbsfähigkeit in vielen Fällen auf Dauer beeinträchtigt wird. Auch partnerschaftliche Probleme sind nicht selten. Da die immer wiederkehrenden Atemstillstände ein enormer Stress fürs Herz sind, erhöht eine unbehandelte obstruktive Schlafapnoe außerdem das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko und verkürzt die Lebenserwartung.

Interdisziplinäre Diagnostik und Therapie

Im interdisziplinären schlafmedizinischen Diagnostik- und Behandlungsspektrum kommt dem Zahnarzt von der Erstdiagnose bis zur langfristigen Therapie ein wichtiger Stellenwert zu.

Bei Verdacht auf schlafbezogene Atmungsstörungen helfen zunächst Fragebögen zur Erstbeurteilung (Epworth Sleepiness Scale, Berliner Fragebogen). Um festzustellen, ob eine Schlafapnoe vorliegt, ist vor der Anpassung einer Protrusionsschiene eine fachärztliche Diagnostik erforderlich. Diese erfolgt meistens beim HNO-Facharzt oder Pneumologen. Die weitergehende und Differentialdiagnostik wird dann im Schlaflabor durchgeführt.

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) empfiehlt Unterkieferprotrusionsschienen bei leicht- bis mittelgradigem obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) mit höchstem Evidenzgrad (S3-Leitlinie Nicht-erholsamer Schlaf, SOMNOLOGIE 13, Suppl. 1, Nov. 2009) sowie bei Unverträglichkeit anderer Therapieformen wie z. B. der nasalen Überdruckbeatmung (nCPAP). Es ist unstrittig, dass die nCPAP-Therapie immer noch den Goldstandard darstellt. Doch auch bei schweren Apnoen lassen sich in interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen schlafmedizinisch tätigen Zahnmedizinern und Schlafmedizinern sehr gute Behandlungserfolge erzielen.

Das Ziel einer interdisziplinären Therapie der obstruktiven Schlafapnoe muss darin bestehen, für jeden Patienten das optimale Therapiemit- tel zu finden. Je nach den individuellen medizinischen Gegebenheiten sollten auch subjektive Wünsche in die Therapieentscheidung mit einbezogen werden, damit man einen langfristigen Behandlungserfolg erreichen kann.

Mitgliedschaft in einer Selbsthilfegruppe lohnt sich

Viele Betroffene finden heute den Weg in eine der zahlreichen Selbsthilfegruppen für Schlafapnoe und chronische Schlafstörungen, die mittlerweile über ganz Deutschland verteilt sind. Diese Selbsthilfegruppen leisten einen wichtigen Beitrag sowohl bei der Aufklärung als auch bei der Unterstützung betroffener Patienten. Durch die Zusammenarbeit solcher SHGs mit Referenten aus allen medizinischen Bereichen wird das vorhandene Wissen über die verschiedenen Facetten der schlafmedizinisch relevanten Erkrankungen immer mehr erweitert. Mein Anliegen ist es, in meinen Vorträgen insbesondere die interdisziplinäre Zusammenarbeit bei der Behandlung des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms hervorzuheben.

Funktion und Wirkung von Unterkieferprotrusionsschienen

Schau-Dental

Mittlerweile gibt es ein ganzes Arsenal an intraoralen Geräten, die weltweit zur Therapie von Schnarchen und Schlafapnoe eingesetzt werden. Die Schienen bewirken, dass der Unterkiefer leicht nach vorne gezogen wird. Durch diesen Vorschub werden Zunge und Zungengrund, Gewebe und Muskulatur des Rachens gestrafft. So werden die oberen Atemwege während des Schlafens dauerhaft und verlässlich offen gehalten.

Die durch den Vorschub erzielte Straffung verhindert außerdem, dass das weiche Gewebe im oberen Rachenraum am Gaumen durch die Atmung in Schwingung oder Flatterbewegungen versetzt wird, was die häufigste Ursache für lautes Schnarchen ist.

Individuelle Anpassung von Unterkieferprotrusionsschienen

Effektive Unterkieferprotrusionsschienen werden nach individueller Kieferabformung zur Modellherstellung des patienteneigenen Ober- und Unterkiefers hergestellt.

Das so genannte Zwei-Schienen- System wird mit einem speziellen, patentierten Verbindungsmechanismus so zusammengebracht, dass der Vorschub des Unterkiefers stufenlos erfolgen kann. Nur diese stufenlose Feineinstellung führt zu optimalen Ergebnissen.

Je nach verwendetem Schienenmaterial hat der Patient heutzutage einen hohen Tragekomfort, so dass die Akzeptanz dieser Therapie sehr hoch ist. Durch die Gestaltung der Oberfläche kommt es zu einem stabilen und flachen Gleiten der beiden Schienenteile gegeneinander, was gleichzeitig einen guten Schutz der Zähne und eine günstige Kräfteverteilung auf beide Schienen erzeugt.

Quelle: das schlafmagazin; Heft 1 / 2013